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Von A wie Adel, bis Z wie Zeppelin; von fürstlichen Momenten, der Sonne des Rheintals und archivischen Begebenheiten der Extraklasse

Die Archivexkursion des 55. FHL an den Bodensee war mehr als nur eine Lehrveranstaltung!

Los ging es am Montagmorgen (03.09.18) pünktlich um 6 Uhr mit dem Bus in Marburg. Das erste Ziel lautete Schloß Altshausen, wo der Archivar des Hauses Württemberg Dr. Eberhard Fritz die Truppe der Anwärter und Anwärterinnen um ihren Mentor Herrn Dr. Uhde herzlich begrüßte. Nach einer kurzen Schloßführung durften wir im an sich der Öffentlichkeit nicht zugänglichen Saal des ehem. Orangeriegebäudes sitzen und mit Herrn Dr. Fritz über dieses besondere Archiv sprechen. Bemerkenswert war die Aufgabenvielfalt von Herrn Dr. Fritz, welcher nicht allein im Archiv arbeitet, sondern in besonderen Situationen auch für die Organisation gesellschaftlicher Anlässe der Familie zuständig ist. Im Anschluß erhielten wir noch durch ihn die Vorführung und Erläuterung des barocken „Heiligen Grabes“, einer liturgischen Bühne des Leidensweges Christi, welche seit Beginn dieses Jahrtausends neben der Kirche wieder aufgebaut steht und noch immer bespielbar ist.


(Bild 1: Dr. Fritz vor der Orangerie, Foto: Max Pfeiffer)

Am Dienstag ging es zunächst zum Vorarlberger Landesarchiv in Bregenz, wo der Kurs vom stellvertretenden Archivleiter Dr. Ulrich Nachbaur, sowie von Dr. Markus Schmidgall, welcher seine Ausbildung u.a. an der Archivschule absolvierte, freundlich empfangen wurde. Nach einer einführenden Präsentation des Archivs gab es einen angeregten fachlichen Austausch, bevor abschließend noch das Archiv besichtigt wurde. Hier, wie auf den folgenden Stationen, wurden wir mit der österreichischen bzw. schweizerischen Archivterminologie konfrontiert, und lernten was „Dossier“, „Akt“, „skartieren“ oder „Magazineur“ bedeuten.


(Bild 2: Gruppenbild des Kurses, hier im Vorarlberger Landesarchiv, Foto Vorarlberger Landesarchiv)

Nach der Mittagspause fuhren wir nach Dornbirn, wo wir mit Mag. Harald Rhomberg ein interessantes Gespräch im Stadtarchiv führten. Die Zusammenarbeit mit dem im gleichen Haus untergebrachten Museum, und mit anderen Archiven in Vorarlberg sowie die zahlreichen Veröffentlichungen des Archivs standen hier im Mittelpunkt.


Bild 3: Präsenttüten des Stadtarchivs Dornbirn, Foto: Patricia Lenz)

Der Mittwoch stand ganz im Zeichen des Fürstentums Liechtenstein, dessen Landesarchiv wir am Vormittag besuchten. Begrüßt wurden wir vom Leiter des Amtes für Kultur, Thomas Büchel, sowie von Frau Janine Köpfli, welche persönliche Mitarbeiterin der Ministerin für Kultur, Regierungsrätin Aurelia Frick, ist. Die Leiterin des Landesarchivs Frau Dr. Dorothee Platz (ebenfalls ehem. Marburgerin) hatte unter Beteiligung ihres gesamten Teams eine äußerst informative Vorführung ausgearbeitet, um uns die Welt des Kleinstaates Liechtenstein näher zu bringen. Nach einem gut getakteten Parforceritt durch das Liechtensteinische Archivwesen und die dortige Verwaltung, wurde der Kurs mittags von der ersten liechtensteinischen Skiolympionikin, Martha Bühler, mit einer Liechtensteinischen Spezialität verwöhnt: Käsknöpfle mit Röstzwiebeln und Apfelmus. Anschließend konnte noch das Landesarchiv besichtigt oder alternativ ein Rundgang durch den liechtensteinischen Hauptort Vaduz unternommen werden.

Der Donnerstag führte den Kurs auf eidgenössisches Gebiet in die Kantonshauptstadt St. Gallen. Nach einem Begrüßungskaffee gab es zunächst eine Führung durch das Stiftsarchiv von Herrn Dr. Peter Erhart, welcher seine besten Stücke präsentierte und die Entstehung des Stiftes St. Gallen erläuterte. Besonders faszinierend waren die Fluchtkisten, in welchen seit alters her Archivalien bis heute aufbewahrt werden (letzte Neuanfertigungen noch im Jahre 2016).


(Bild 4: Stiftsarchivleiter Dr. Erhart vor Fluchtkisten der älteren Generation, davon die ältesten aus der frühen Neuzeit, Foto: Max Pfeiffery

Anschließend erfolgte die Führung durch das benachbarte Staatsarchiv durch Frau Dr. Regula Zürcher und ihren Kollegen Herrn Martin Lüthi, welche uns die Spezialitäten ihrer Überlieferung und den Stand der digitalen Archivierung im Staatsarchiv präsentierten. Frau Zürcher zeigte uns, wo die reine Archivlehre praktisch an ihre Grenzen stößt: Sie hatte eine Art Kartei über Kinder eines Kinderheimes, bei der einzelne Blätter mit verschiedenfarbigen Plastikstäbchen markiert waren, weswegen man sie nicht einfach aus Bestandserhaltungsgründen entfernen konnte ohne einen erheblichen Informationsverlust in Kauf zu nehmen.

Schließlich erkundeten wir noch das Universitätsarchiv, wo uns Dr. Thomas Schwabach (der dritte Marburger Absolvent) mit den verschiedenen Formen der Öffentlichkeitsarbeit seines Archivs konfrontierte. Dazu gehört eine Ecke für Besucher, welche über die Geschichte der Universität informiert, ebenso, wie die Idee eines Gedächtnisspiels mit dem Titel „Geschichtsmemo HSG“.

Der Freitag als letzter Tag der Exkursion führte uns nach Friedrichshafen, wo wir das historische Archiv der Luftschiffbau Zeppelin GmbH unter Leitung von Frau Barbara Waibel besichtigen konnten. Sie erläuterte uns mit ihrem Team die Entstehung des Archivs, sowie auch die Zusammenarbeit mit dem Museum, welches als größter Archivnutzer in Erscheinung tritt. Interessant war neben dem Umgang mit der im Archiv befindlichen Gemäldesammlung auch die Art der Etappenwechsel in der Verzeichnung, von regalweise erfaßten Beständen hin zur archivischen Verzeichnung  unter der jetztigen Leiterin.

Alles in allem war die Exkursion ein voller Erfolg, abgerundet durch das beständig gute Wetter von mehr als 20 Grad Celsius jeden Tag und einer anhaltend guten Laune und angenehmen Kursatmosphäre. Der ganze 55. Fachhochschulkurs der Archivschule Marburg bedankt sich hiermit nochmals ausdrücklich bei allen Archiven, für die Möglichkeit, einmal hinter die Kulissen geblickt haben zu dürfen. Die erfahrenen Eindrücke werden uns noch lange nachhaltig in guter Erinnerung bleiben!

Max Pfeiffer, 55. FHL

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