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Tabu oder Notwendigkeit? – Workshop zur Nachkassation

Der Workshop thematisierte erstmals fachübergreifend terminologische Aspekte und methodisches Vorgehen. Die Veranstaltung soll den Ausgangspunkt eines gemeinsamen archivischen Positionspapiers zur Nachkassation darstellen.

Lange Zeit galt Nachkassation in der archivischen Fachwelt als Tabu, da sie die Vernichtung bereits übernommenen Archivguts bedeutet. Im Verlauf des Workshops „Nachkassation – Tabu oder Notwendigkeit?“ stellte sich heraus, dass keine allgemeingültige Auffassung von Nachkassation existiert. Insbesondere die Abgrenzung von Nachbewertung, Neubewertung und Nachkassation im engeren Sinne legte weiteren Verständigungsbedarf offen. Dabei zeichnete sich der Begriff der „verspäteten Erstbewertung“ als Ansatzpunkt weiterer Reflektionen ab. Unter den Teilnehmern bestand Konsens, dass die nachträgliche Bewertung unverzeichneter, zum Beispiel aus Notübernahmen ins Haus gekommener Unterlagen unproblematisch ist. Hingegen wurde die Nachkassation bereits erschlossener Bestände kontrovers diskutiert. Dennoch sehen sich viele Archive im Alltag aus arbeitsökonomischen Erwägungen gezwungen, Nachkassationen vorzunehmen.

Angeregte Diskussion in der Arbeitsgruppe über die Voraussetzungen der Nachkassation. Bild: © Rausch/Archivschule

Verschiedene Impulsreferate aus dem Bibliotheks- und Museumsbereich, zu archivrechtlichen Fragestellungen und aus der archivischen Praxis im Landesarchiv Schleswig-Holstein, Universitätsarchiv Chemnitz und in der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz bildeten den Auftakt der Tagung. Dabei verdeutlichten Dr. Jürgen Warmbrunn (Herder-Institut, Marburg) und Hans Lochmann (Museumsverband für Niedersachsen & Bremen e.V., Hannover), wie mit den Strategien der Makulatur und des Entsammelns in Bibliotheken und Museen verwandten Problemlagen begegnet wird. Im Anschluss wurden Voraussetzungen und Vorgehensweisen in zwei von Dr. Irmgard Christa Becker und Dr. Ullrich Hanke geleiteten Arbeitsgruppen erörtert. Hinsichtlich der Planung und Durchführung von Nachkassationsprojekten konnten sich die Teilnehmer auf konkrete Schritte verständigen. Demgegenüber bleibt die Diskussion der Voraussetzungen und Kriterien Gegenstand zukünftiger Gespräche.

Die Tagung zeigte, dass das Thema „Nachkassation“ im Spannungsfeld von Notwendigkeit und Tabuisierung weiter virulent bleiben wird.

Die Leitenden der beiden Arbeitsgruppen tauschen sich über die Ergebnisse der Diskussionen aus. Bild: © Rausch/Archivschule

Weitere Impressionen aus dem Workshop finden Sie in unserer Bildergalerie.

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