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Lebhafte Debatte über archivarische Kompetenzen im 21. Jahrhundert

Anlässlich des 70. Jahrestags ihrer Gründung setzte die Archivschule Marburg für das diesjährige Kolloquium einen Fokus in eigener Sache:
Der Zukunft der archivarischen Fachausbildung.

Nach einer Eröffnungsansprache durch die Leiterin der Archivschule Marburg, Dr. Irmgard Christa Becker, und einem Grußwort von Bürgermeister Wieland Stötzel erfolgte der Eröffnungsvortrag von Geir Magnus Walderhaug von der Universität Oslo. Er plädierte für eine stärkere öffentliche Sichtbarkeit des Archivarsberufs, diskutierte die Bedeutung von Kompetenzen, das Bildungsideal lebenslangen Lernens und die Herausforderungen einer Verschränkung von Archivtheorie und der Archivtätigkeit als sozialer Praxis.
In der nachfolgenden ersten Sektion, moderiert von Dr. Robert Meier, führte Christian Rausch von der Archivschule Marburg ein in das Feld der kompetenzorientierten Lehre, der Organisation von Kompetenzen im Bologna-Prozess und ihrer Integration in modularisierte Studiengänge. Hierauf aufbauend, erläuterte Prof. Dr. Martina Eckert von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW eine Untersuchung zur Kompetenzentwicklung an ihrer Fachhochschule.
In der anschließenden Diskussion wurde die als problematisch erlebte Prüfungsbelastung in Bologna-Studiengängen thematisiert, und ob es noch zeitgemäß wäre, eine laufbahngemäße Unterscheidung auf zu vermittelnde Kompetenzen des Bachelor- bzw. Masterniveaus zu übertragen. Es wurde deutlich, dass der Bologna-Prozess bei verwaltungsinternen Studiengängen zu einer Stärkung der Kompetenzorientierung für das gesamte Berufsfeld führt.

In Sektion zwei wurden in drei parallelen Teilsektionen Kompetenzen zu den archivarischen Fachaufgaben diskutiert. Unter der Leitung von Dr. Elke Koch vom Landesarchiv Baden-Württemberg diskutierten die Teilnehmenden über Bewertung und Überlieferungsbildung, ihre Qualitätsmaßstäbe, Aspekte und Problemfelder. Zwei Experten vom hessischen Landesarchiv, Dr. Francesco Roberg vom Standort Marburg und Dr. Johannes Kistenich-Zerfaß vom Standort Darmstadt, diskutierten mit den Teilnehmenden über die Herausforderungen von Erschließung und Bestandserhaltung. Eine Gruppe um Prof. Dr. Ulrich Nieß vom Marchivum in Mannheim widmete sich den Aufgaben von Nutzung und Vermittlung. Die Ergebnisse der Teilsektionen wurden am folgenden Tag in der Abschlussdiskussion mit dem Plenum diskutiert.

Am Abend folgte die Eröffnung einer Ausstellung zu 70 Jahren Archivschule Marburg im Marburger Staatsarchiv. Nach Begrüßungen durch Prof. Dr. Andreas Hedwig als Hausherr sowie Ministerialdirigent Dr. Dirk Engel in Vertretung der hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst sprachen Dr. Irmgard Christa Becker als Leiterin der zu feiernden Institution und Dr. Robert Meier, der in die Ausstellung einführte und neugierig machte auf die ausgestellten Exponate. Diese folgen der bewegten Geschichte der Archivschule Marburg und ihrem Studienleben, widmen sich aber auch exemplarisch drei bekannten Persönlichkeiten der Ausbildungsinstitution.

Am folgenden Morgen moderierte der Studienleiter der Archivschule, Dr. Karsten Uhde, die dritte Sektion zu übergreifenden Kompetenzen und einem Praxischeck der Ausbildung. Dr. Stefan Schröder vom LWL-Archivamt für Westfalen thematisierte die Notwendigkeit und Bandbreite von Management- und Führungskompetenzen in kleineren Kommunalarchiven. Anschließend beschrieb Dr. Irmgard Christa Becker als Leiterin der Archivschule Marburg die zunehmende Kompetenzorientierung in der Lehre an ihrer Ausbildungsinstitution. Danach boten Marina Laube vom Hessischen Staatsarchiv in Marburg und Dr. Marco Birn, Leiter des Kreisarchivs Reutlingen, zwei individuell akzentuierte Rückschauen darauf, wie sie ihre Fachstudien an der Archivschule Marburg in ihrem Berufseinstieg anwenden konnten. In der Diskussion wurde die Aufgabe diskutiert, eine Übertragung von Lehrwissen auf berufliche Alltagssituationen zu trainieren.
Die abschließende Schlussdiskussion wurde bereichert durch die erfreulich vielen Beiträge derzeitiger Studierender an der Archivschule Marburg, was nochmals eine weitere Perspektive auf die umrissene Tagungsthematik eröffnete.
Das Kolloquium unterstrich eindrucksvoll den umfassenden Veränderungsprozess, in dem die Lehre an der Archivschule Marburg derzeit steht. Die Studierenden sind nicht mehr länger bloße Adressaten einer von oben verordneten Ausbildung, sondern stehen als Lernsubjekt zunehmend im Mittelpunkt einer modernen Bildungsvermittlung.

Eine digitale Veröffentlichung der Tagungsbeiträge ist in Vorbereitung.

Eine Bildergalerie haben wir Ihnen hier zusammengestellt.

Ein ausführlicherer Tagungsbericht wurde veröffentlicht im VdA-Blog.

Außerdem wurde über die Tagung unter dem Hashtag #Archivkoll19 bei Twitter berichtet.
(Die Archivschule Marburg übernimmt keine Verantwortung für externe Inhalte.)


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