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Akten, Bier und Knödel: Unterwegs in der Goldenen Stadt

Vom 28. August bis zum 1. September stand in der Archivschule Marburg die alljährliche „Große Exkursion“ auf dem Stundenplan. In diesem Jahr brachen die Studierenden des 51. Wissenschaftlichen Lehrgangs und des 54. Fachhochschullehrgangs nach Prag auf, um die tschechische Archivlandschaft zu erkunden. Begleitet wurden sie von den Dozenten Dr. Niklas Konzen und Dr. Robert Meier.


Die Gruppe im historischen Kinosaal des Nationalen Filmarchivs. Bild: Tomáš Lachman

Auf dem Hinweg machte die Gruppe einen ersten Halt in Regensburg. Im Archiv des Katharinenspitals endete die Führung durch die Bestände sogar mit einer Bierverkostung – dank der seit dem Mittelalter ungebrochenen Tradition gehört nach wie vor eine Brauerei zu der seit rund 800 Jahren bestehenden sozialen Stiftung. Der ein oder andere Studierende wäre vermutlich am liebsten da geblieben: Jedem Mitarbeiter steht ein großzügiges monatliches Bierdeputat zur Verfügung.

In Prag angekommen, besuchte die Gruppe zunächst das Tschechische Nationalarchiv. Im Rahmen zweier Führungen wurden den Studierenden die Bestände der alten und der neuen Abteilung vorgestellt. Die Herausforderungen und Problemstellungen der Kolleginnen und Kollegen im Nachbarland erwiesen sich dabei häufig als vertraut – auch in Tschechien gilt es für die Archive, sich in Zeiten der Digitalisierung neu aufzustellen und den technischen Fortschritt als Chance zu begreifen.


Ein beliebtes Fotomotiv waren die bunt bemalten Rücken der Bände der böhmischen Landtafel in der Alten Abteilung des Nationalarchivs. Bild: Niklas Konzen

Im Archiv der Universität begutachteten die Reisenden zahlreiche Zimelien aus der Geschichte einer der ältesten Universitäten Europas, unter anderem das älteste Typar der Karlsuniversität, Autographen von Franz Kafka und Plakate studentischer Bewegungen aus den Schicksalsjahren 1968 und 1989. Im Kinosaal des Nationalen Filmarchivs in der Prager Altstadt beeindruckte vor allem das bis ins ausgehende 19. Jahrhundert zurückreichende tschechische Filmerbe. Ein besonderes architektonisches Highlight war die historische Bibliothek des Klosters Strahov mit ihrer so funktionalen wie prachtvollen barocken Innenausstattung.


Marek Ďurčanský zeigt das spätmittelalterliche Typar der Karlsuniversität. Bild: Niklas Konzen

Den gelungenen Abschluss bildete der herzliche Empfang in der Außenstelle Klášter des Gebietsarchivs Pilsen in Nepomuk. Dort führte ein hochmotiviertes Team die Gruppe durch Gebäude und Bestände eines bedeutenden Regionalarchivs, das zahlreiche deutschsprachige Bestände besitzt, die vor allem aus adeligen Familienarchiven der Zeit bis 1945 bestehen. Ein weiterer Höhepunkt war hier der facettenreiche Bestand zur Wirtschaftsgeschichte der Region, zu dem auch das Škoda-Konzernarchiv gehörte.

In allen Einrichtungen wurden die Exkursionsteilnehmer ausgesprochen freundlich und kompetent – in englischer oder deutscher Sprache – empfangen und geführt. Die gewonnenen Eindrücke und Erkenntnisse waren vielfältig und dank der sonnigen Spätsommertage ließ sich die Stadt Prag mit ihrem gastronomischen Dreiklang aus Gulasch, Knödeln und Bier auch jenseits des Archivwesens genießen.

Text: 51. WL / Niklas Konzen

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