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Intrinisischer Wert

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Forschungsprojekt Intrisischer Wert

Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft führte die Archivschule Marburg ein Forschungsprojekt durch, in dem Entscheidungshilfen zur Bestandserhaltung auf Grund des intrinsischen Wertes von Archiv- und Bibliotheksgut entwickelt werden sollten.

Das Ziel Das Ergebnis des Projektes sollten Kriterien zum überlieferungsbedingten, äußeren formalen Wert von Archiv- und Bibliotheksgut sein, die in der Praxis bei der Auswahl gefährdeten Bibliotheks- und Archivgutes für eine Konversion auf alterungsbeständige Informationsträger herangezogen werden können. Damit werden die zur Verfügung stehenden Geldmittel zur Konservierung und Restaurierung möglichst effektiv verwendet - es wird vermieden, Archivalien und Bücher aufwendig und kostenintensiv zu restaurieren, bei denen zur Überlieferungssicherung eine kostengünstigere Ersatzverfilmung völlig ausreichend gewesen wäre.

Es ging darum, zu entscheiden, ob Archivgut bzw. Bibliotheksgut neben ihrem Informationswert ein äußerer, an die vorhandene Form gebundener, aus den Zusammenhängen der jeweiligen Überlieferung erwachsender Wert zukommt, der durch inhaltliche oder bildliche Wiedergabe auf einem anderen, alterungsbeständigen Informationsträger nicht hinreichend oder überhaupt nicht evident bleibt.

Der intrinsische Wert (von lat.: "intrinsecus" - Im Innern, inwendig) ist durch Kriterien bestimmt, bei der ein enger innerer Zusammenhang zwischen der Aussage und der vorhandenen Form der Überlieferung, bzw. den Zusammenhängen der jeweiligen Überlieferung besteht. Er bezieht sich z.B. auf Archivalien, die eine besondere, einzigartige oder ungewöhnliche äußere Form (etwa besonderes Papier, Wasserzeichen, Aufdrucke, Tinte, Vermerke etc.) aufweisen, die bei einer Konversion auf einen anderen Informationsträger nicht überliefert werden können. In solchen Fällen ist der intrinsische Wert hoch, es käme nur die Erhaltung der Originals und seine Restaurierung und Konservierung mit den geeigneten Techniken infrage, damit die Archivalien auch noch in vielen Jahrzehnten benutzbar sind und der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Das Problem: Die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts industriell gefertigten Papiere sind wegen der Verwendung von Holzschliff zu ihrer Herstellung und auf Grund von säurebildenden Inhaltsstoffen einer sehr schnellen Alterung und einem rasch fortschreitenden Zerfall unterworfen. Akten oder Bücher, die auf diesen Papieren geschrieben oder gedruckt wurden, sind akut gefährdet: Rund 75 Prozent der in den Archiven und Bibliotheken verwahrten Materialien auf dem Informationsträger Papier, die die Grundlage unseres Wissens, unserer Literatur und unserer Geschichte bilden, sind betroffen. Das Problem des Papierzerfalles ist somit in erster Linie ein Massenproblem: Von den ca. 2.200 laufenden Kilometern Archivgut, das in den deutschen Archiven aufbewahrt werden, sind ca. 1.600 lfd KM durch den Papierzerfall bedroht.

Die Lösung: Seit 1994 ist bei der Deutschen Bibliothek in Leipzig eine vom Battelle-Institut, Frankfurt a.M. entwickelte Anlage zur Massenentsäuerung im Probebetrieb, eine andere Konservierungsmaschine für Einzelblätter wird im niedersächsischen Staatsarchiv Bückeburg betrieben. Anfang 1996 wird das Institut für Papierrestaurierung in Ludwigsburg, Baden-Württemberg, seine Arbeit aufnehmen: Hier sind erstmalig landesweit alle Planungen und der Einsatz technischer Verfahren auf Landesebene gemeinsam für Archive und Bibliotheken koordiniert.

Neben diesen Verfahren zur Massenkonservierung und Restaurierung, sowie der Einzelrestaurierung in den Werkstätten von Archiven und Bibliotheken wird seit Jahrzehnten die Schutz- und Ersatzverfilmung praktiziert, d.h. die Konversion auf Mikrofilm/Mikrofiche. Die Schutzverfilmung dient als präventive Maßnahme, um bei gefährdetem Bibliotheks- und Archivgut äußere schädliche Einflüsse und Einflüsse durch eine Benutzung zu vermindern. Bei der Ersatzverfilmung tritt der Mikrofilm dauerhaft an die Stelle des verfilmten Originals.

Jedoch können Mikroformen ebenso wie optoelektronische Speichermedien nur diejenigen Elemente eines Originals aufzeichnen und speichern, die sich eben auf einem photographischen Medium abbilden lassen. Und hier setzt nun das Konzept vom intrinsischen Wert ein.

Die Archivschule führte das Forschungsprojekt in enger Zusammenarbeit mit anderen Institutionen aus dem Bereichen Archive und Bibliotheken durch. Und auch die Seite der Anwender, der Benutzer war durch führende Institutionen und Wissenschaftler vertreten.

Die Ergebnisse des Projekts wurden publiziert als
Band 26 der Reihe der "Veröffentlichungen der Archivschule Marburg"

Menne-Haritz, Angelika u. Brübach, Nils:
Der intrinsische Wert von Bibliotheks- und Archivgut. Kriterienkatalog zur bildlichen und
textlichen Konversion bei der Bestandserhaltung. Ergebnisse eines DFG-Projekts.
1997; 99 S. ; ISBN 3-923833-52-0 ; 8,20 €

English Version : The Intrinsic Value of Archive and Library Material



© 2005   Uhde@staff.uni-marburg.de, Stand: 10.03.2005